Veröffentlicht in Neues von & Radieschen

Präsentation unserer neuen Ausgabe: am 26. Juni um 20:30 im Café Anno!

Es ist eine liebgewonnene Tradition: Wenn sich das neue & Radieschen im Café Anno präsentiert, dann kommt auch gern der große Bruder DUM dazu. Großer Bruder, weil doppelt so alt und doppelt so groß. Obwohl, das mit dem Doppelt-so-alt-sein gilt ja auch immer nur für eine kurze Zeit. 😉

Wie auch immer,
am Sonntag, 26. Juni
treffen wir uns
um 20.30
im Café Anno,
in der Lerchenfelder Straße 132

im 8. Wiener Gemeinedebezirk.


Aus der Slamausgabe von &Radieschen namens „Pauken & Trompeten“ lesen diesmal:
– Elif Duygu
– Jasmin Gerstmayr
– Tara Meister
– Nathalie Rouanet

Und aus der 102. Ausgabe von DUM  mit dem Titel „Korrupt – vo Schwoazgöd bis Mafia“ lesen:
– Günther Pilarz
– Carmen Ramoser
– Renate Schiansky
– Daniel Stögerer

Mit freundlicher Unterstützung vom Bezirk Josefstadt

Veröffentlicht in &Radieschen liest, Literatur für Kinder, Neuerscheinungen 2022

Rotkäppchen rettet den Wolf – ein Nichtmärchen für Kinder von Petra Piuk

Wie beginnt ein Nicht-Märchen? Ganz einfach. Nicht mit den Worten „Es war einmal“, sondern mit den Worten „Es ist“. Die Geschichte beginnt nämlich genau heute, an einem Montag, 21. März. Und da ist Rotkäppchen (eigentlich Anna) exakt 9 Jahre, 127 Tage, 4 Stunden und 16 Minuten alt.

Anna trägt (immer!) eine rote Baseballkappe, Anna fährt gern Skateboard, Anna liebt es, auf Bäume zu klettern und Kirschkuchen zu essen. Und Anna träumt davon, die Welt zu retten. Und natürlich liebt Anna Wölfe. Und den Wald. Doch der Wald und seine Tiere sind in Gefahr. Nicht nur wegen der Müllspur, die ausgerechnet der Bürgermeister von Buchwalden an der Grimm (so heißt der Ort nämlich, in dem Anna in einer Wohnsieldlung lebt) hinterlässt. Nein, der Bürgermeister – Herr Wolfgang Wolf :-)– plant jetzt auch noch ein neues Einkaufszentrum. Und Anna sieht schon, wie der Wald zum Betonwald wird. Aber hat man als Neunjährige eine Chance gegen den Bürgermeister?
Nur gut, dass es Oma gibt. „Aber Rotkäppchen, warum hast du so hübsche Ohren?“, fragt Annas Oma. Zum Hören? Aber nein. Zum Weghören.

Ein absolut herrliches Buch für alle Märchenfans und Märchenhasser gleichermaßen: modern, lebensnah, überaus witzig und auch lehrreich (so gibt es etwa einen Steckbrief über den Wolf und einen mit Fehlern gespickten Schulaufsatz von Anna über die Rückkehr der Wölfe.)

Altersempfehlung? Das Buch kann locker schon im Kindergartenalter (ab etwa 4) eingesetzt werden. Das Schöne: „Rotkäppchen rettet den Wolf“ gehört zu den seltenen Bilderbüchern, die selbst für Drittklässler noch interessant sind. Sei es, um die Geschichte das erste Mal zu lesen (für alle, die jetzt schon 8 oder 9 sind), oder auch, um sie immer und immer und immer und immer wieder zu lesen. Das Buch hat nämlich das Zeug zum Lieblingsbuch für die gesamte Familie zu werden. (Diskutieren und Träumen erlaubt!)

Im Übrigen gibt es auch ein Kirschkuchenrezept. Und eine Anleitung zum Demonstrieren. Und Ideen, wie man den Planeten retten kann. Und ein Wolfsquiz gibt es am Ende auch noch!

Petra Piuk/ Gemma Palacio: Rotkäppchen rettet den Wolf
Leykam 2022, ISBN: 978-3-7011-8229-9
62 Seiten, €15,00

Petra Piuk, geboren 1975 in Güssing (Burgenland), lebt in Wien. Bevor sie Autorin wurde, war sie u.a. Kasperltheaterspielerin, Mitarbeiterin in Umweltschutzorganisationen, Moderatorin bei Kinderveranstaltungen, TV-Redakteurin einer Tiersendung oder Darstellerin in einem Tierschutzspot. Petra Piuk hat schon öfters im & Radieschen veröffentlicht, ihre Bücher haben wir bis jetzt alle geliebt und rezensiert. »Rotkäppchen rettet den Wolf« ist ihr erstes Kinderbuch. 

Gemma Palacio, geboren 1985 in Asturien (Nordspanien), lebt seit einigen Jahren in Salzburg. Sie hat Kommunikationswissenschaft studiert und lange als Grafikerin gearbeitet, bis sie sich 2019 für das Zeichnen entschied. 

Veröffentlicht in &Radieschen liest

Neuerscheinung: Katharina J. Ferners „krötentage“

REZENSION VON SILJAROSA SCHLETTERER
erschienen im MORGENSCHTEAN U72-73/Mai 2022

Katharina Ferners krötentage ist nicht nur ein Gedichtband. Das ist mindestens ein Mit-Erlebnis- Bericht-Band, der sich in die Tage und Nächte schleicht und mehr als Träume hinterlässt. Mit dem lyrischen Ich kann frau die Schattierungen, die Abgründe und Höhenfahrten von zwischenmenschlichen Gefühlsbelangen miterleben: vom Neuverlieben über Abhängigkeitserfahrungen bis zu emotionaler Gewalt; die verschiedenen Rollen und Rollenzuschreibungen einer liebenden Person werden hier vor- und durchgespielt. 

So bewegen sich die Gedichte zwischen Versteckspielzwang und Offenbarungsoffensive, zwischen »geheimgedicht« (S.7) und »kriegsbemalung« (S.60). Thematisiert das eine den »narbenkatalog« (S.17) und ruft nach Pflastern, beschreibt das andere »vorbeiziehende begierden« (S.77). 

Bis zur letzten Seite ist der Band »nicht trockenzulegen« (S.93) und das ist gut so. Diese Texte sind von einer solch intensiven Sinnlichkeit und Körperlichkeit geprägt, dass frau die darin beschrieben Küsse wie im Gedicht auf Seite 26 »herausnehmen und an die / entsprechenden stellen heften / (müssen ja nicht nur die lippen sein)« will. Katharina Ferner beweist in diesem Werk einmal mehr, dass nicht nur Liebeslyrik, sondern auch Dialektdichtitung nicht in Schubladen zu stecken sind. So erfährt frau die Verbindungen – wie nahe das Salzburgerische der roman(t)ischen Sprache Italieniensisch ist. 

Auch dieser Ferner-Band sollte mit einem Achtungschild versehen werden: Poetische Verliebungs- und Erschütterungsgefahr. Siljarosa Schletterer 

Katharina J. Ferner: krötentage 
Gedichte 
Limbus 2022 | 96 S. | € 15,00 
ISBN: 978-3-99039-219-5

Katharina J. Ferner lebt als Poetin und Performerin in Salzburg. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften &Radieschen, Morgenschtean, Mosaik. 2016-2019 Mitbetreuung der Lesereihe ADIDO (Anno Dialekt Donnerstag) in Wien. 2017 Stadtschreiberin in Hausach. 2019 Lyrikstipendium am Schriftstellerhaus Stuttgart. Seit 2020 arbeitet sie gemeinsam mit anderen Autor*innen mit der Lungauer Kulturvereinigung über das Format „Junge Literatur im Lungau“ zusammen. Sie tourte im Team von HÖRHIN –Eine Initiative zur Förderung von Lese- und Sprachkompetenz an Volksschulen durch Österreich. Mit dem Fotografen Mark Daniel Prohaska entstand das Projekt „Homeage“, in dem KJF literarische Straßennamen Salzburgs mit Texten zeitgenössischer Autor*innen beliest. Seit Jänner 2021 erscheint unter dem Titel „Ferner dichtet“ wöchentlich Poesie in der Salzburger Krone. Teilnahme am Bachmann-Wettlesen 2021.

Veröffentlicht in &Radieschen liest, Neuerscheinungen 2022, Romane

Rezension: „Die Eistaucher“ (Roman von Kaśka Bryla)

.. beginnt wie ein vorsichtiger Spaziergang über dünnes Eis, in das man jäh einbricht.

So der Klappentext hinten am Buch. Versprechungen wie diese sind immer ein wenig gefährlich, denn sehr oft bleibt der Text hinter der Ankündigung zurück. Nicht so Kaśka Brylas neuer Roman.

„Die Eistaucher“ ist eine vielschichtige, spannende, ungewöhnliche und zugleich unheimlich zarte Erzählung, die uns Lesende tief in die Gefühle der Handelnden eintauchen lässt.

„Rezension: „Die Eistaucher“ (Roman von Kaśka Bryla)“ weiterlesen
Veröffentlicht in &Radieschen liest, Neuerscheinungen 2022, Romane

Rezension: Luftpolster (Roman von Lena-Marie Biertimpel)

»meine träume kleben an meinen händen wie zuckerwatte. alles ist schwer.«

In ihrem Debütroman gibt Lena-Marie Biertimpel Einblick in eine Reihe von Verletzlichkeiten. Nach dem Selbstmordversuch ihrer Schwester sucht die Protagonistin Rückzug in der Psychiatrie. In Erinnerungen laufen ihre Kindheit und Jugend noch einmal im Kopf ab. Die Brüchigkeit im Aufwachsen, bleibende innere und äußere Konflikte werden stückweise sichtbar. Der erste Schritt diese zu überwinden wird schon am Beginn des Romans gemacht, als die Protagonistin entscheidet, sich Hilfe zu suchen, was ihr nicht sofort leicht gemacht wird. So heißt es erst einmal vom Arzt: »sie sind so eine schöne frau, sie sollten aufhören traurig zu sein.«

Die eindringliche Sprache bringt Situationen und Gefühle schmerzhaft auf den Punkt. Die Struktur des Klinikalltags bringt auch langsam wieder Struktur in das Leben der Protagonistin. Es ist ein zeitgemäßer Roman, der sich wertfrei und klischeelos mit Selbstverletzung auseinandersetzt. Gleichzeitig bietet er einen Widerspruch gegen die vorherrschenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und ein ständiges Funktionieren-müssen. Lena-Marie Biertimpel schreibt sich hier mit starker Stimme in eine Thematik ein, die unwillkürlich auch an Sylvia Plath oder Christine Lavant erinnert. Bei aller Schwere finden sich auch humorvolle Elemente im Roman: absurde Szenen in den Therapiestunden, intime Momente bei Telefongesprächen. Ein Aufatmen gibt es in Form von zarte Freundschaften, die sich nach und nach zwischen den Bewohner:innen der Psychiatrie knüpfen. In vielen Details stecken zärtliche Beschreibungen der Gemeinschaft, ein scherzhafter Ton für besonders tragische Momente und stetiger gegenseitiger Respekt. Und am Ende steht irgendwann die liberation.

Katharina Ferner (kate)
& Radieschen #62, Mai 2022

Lena-Marie Biertimpel
LUFTPOLSTER
Leykam, 2022
ISBN 978-3-7011-8232-9
184 Seiten
€22,00

Veröffentlicht in &Radieschen liest, Kurgeschichten, Neuerscheinungen 2022

Rezension: „Radieschen von unten“ (kriminell gute Gartenmorde, hg. von Rotraut Schöberl)

Darf ich als Redaktionsmitglied eine (nicht von uns herausgegebene) Anthologie empfehlen, in der ich selbst mit einem Text vertreten bin? Aber ja, ich darf. Natürlich unter einer Vorbedingung: Ich muss die Texte der anderen so sehr mögen, dass ich die Anthologie auch dann hochhalten würde, wenn ich selbst nicht mitgeschrieben hätte. Und das kann ich dann doch mit gutem Gewissen behaupten.

Jetzt muss ich vorab gestehen: Ich habe Krimi-Anthologien bisher nicht sonderlich viel abgewinnen können. (Allerdings kenne ich nur 4). Ich habe aber auch keinen Garten. Ich habe nicht einmal einen grünen Daumen – es sei denn, ich zähle die unzähligen Läuse und Raupen und dazu, die es sich auf meinen Rosen und meiner Kapuzinerkresse gemütlich machen (hipper, insektenfreundlicher Stadtbalkon!).

„Rezension: „Radieschen von unten“ (kriminell gute Gartenmorde, hg. von Rotraut Schöberl)“ weiterlesen
Veröffentlicht in &Radieschen liest, Neuerscheinungen 2022, Romane

Rezension: „Es ist schon fast halb 12“ (Roman von Zdenka Becker)

Hilde kümmert sich liebevoll um ihren an Demenz erkrankten Mann Karl, mit dem sie 70 Ehejahre verbinden. Kurz vor ihrem Umzug ins Altersheim bittet sie Markus, den Zivildiener, ihr die Kiste mit den alten Briefen vom Dachboden zu bringen. Denn Hilde hütet ein Geheimnis, von dem selbst Karl nichts weiß – aber an dieses muss sie sich erst langsam herantasten …

Zdenka Becker ist passiert, was wohl der Traum vieler Schriftsteller*innen ist – sie fand tatsächlich mehr als 500 Briefe und fast genauso viele Postkarten auf dem Dachboden ihres Hauses. Aus diesem echten Briefverkehr webte sie die Geschichte rund um Hilde und Karl – jenem Ehepaar, das während der Kriegsjahre getrennt voneinander lebt, denn Karl arbeitet, da er zu Hause keine Arbeit fand, bei den Daimler-Werken in Ludwigsfelde, während Hilde – bis auf eine kurze gemeinsame Zeit in Berlin, in der auch ihre Tochter zur Welt kommt – in Fischbach bleibt. 

„Rezension: „Es ist schon fast halb 12“ (Roman von Zdenka Becker)“ weiterlesen
Veröffentlicht in Neues von & Radieschen

Unsere neue Ausgabe Kraut & Rüben&Radieschen

Das neue Radieschen #61 „Kraut & Rüben & Radieschen“ ist soeben erschienen. Freut euch mit uns auf viele neue hochwertige, spannende und unterhaltsame Texte! 

Wir möchten an dieser Stelle jedoch auch mal nach vorne kehren, dass man unsere Zeitschrift durchaus auch sportlich sehen kann. In diesem Kontext möchten wir Markus Köhle dazu gratulieren, dass er (unserer Zählung nach) mit seiner 31. Veröffentlichung soeben die 30-Texte-Marke übersprungen und sich in der ewigen „Hall-of-Radieschen“ dem All-Time-Führenden Andi Pianka (34 Texte) auf die Fersen geheftet hat. Mit Respektabstand folgen Josef Witek (18),  Christian „Schreibi“ Schreibmüller (17) und Mieze Medusa sowie Elias Hirschl (jeweils 14). All den jungen Einsedern und Einsenderinnen sei zum Trost gesagt: Diese Autoren*innen – mit Ausnahme von Elias, es sei denn er hat uns schon im zarten Alter von 12 Jahren einen Text geschickt – arbeiten schon seit Ende 2006 an ihrem Œuvre bei &Radieschen – seit damals die Nullnummer im Dezember erschienen ist. 

Soweit zur trivialen Seite der Literatur. Aber auch die darf einmal beleuchtet werden, denn an der Qualität der Texte ändert dies keinen Milimeter! Und die steht bei jeder Auswahl von Neuem im Mittelpunkt unserer Juror*innen!        


Euer Robert Anders
vom &Radieschen-Team                                                                                                                                                                                                                                                                                    

Ein literarisches Durcheinander – in alphabetischer Ordnung – von:
Ulrich Borchers, Natalie Campbell, Verena Dolovai, Katharina Forstner, Jasmin Gerstmayr, Markus Grundtner, Lisa Cherry Halbmayr, Christiane Hammer, Markus Köhle, Nicole Makarewicz, Tara Meister, Günther Pilarz, Caro Reichl, Katja Renzler, Franz-Xaver Rohracher, Marlene Schulz & Etienne Thierry

Bestellungen bitte an abo(at)radieschen.at